Allgemein

Das Programm

Die Verbindung von breiten Interessengebieten und fokussierten Blickwinkeln lädt das Programm mit Spannung auf: Bekannte Themengebiete werden aus außergewöhnlichen und neuen Perspektiven betrachtet.

Die Methode

Die Verbindung aus Forum, Lounge und Essenstafel sucht nach neuen Plattformen eines Austauschs und eröffnet eine Kommunikationskultur jenseits tradierter Expertenhierarchien.

Die Form

Die Verbindung von sinnlichem und geistigem Genuss ist Programm: Jede Veranstaltung wird mit einem ausgewählten kleinen Imbiss vom Hotel Baseler Hof begleitet. Und das inmitten der Stadt in einem Jugendstilhaus mit außergewöhnlicher Atmosphäre.

Rede von Herrn Teichert anlässlich des Jahresempfangs der Akademie 2018

(zum Herunterladen im pdf):

 

Eurobürger und Gottescourage


Rede von Herrn Teichert anlässlich des Jahresempfangs der Akademie 2017

(zum Herunterladen im pdf):

 

Perspektivwechsel

 

 

Diese Ansprache ist zwar schon alt, allerdings immer noch hochaktuell:

Freiheit ja, aber zuerst Ehrfurcht und Demut


Ansprache bei der Jahreseröffnung der Akademie am 12.Januar 2015 um 18 Uhr
Wolfgang Teichert

Zu eben dieser Stunde demonstrieren als Reaktion auf die Anschläge in Paris Wohlfahrtsverbände, Migrantenorganisationen, Gewerkschaften, Kulturschaffende, Schriftsteller, Religionsvertreter und Kirchen für Freiheit und Demokratie und gegen Terror, Rassismus und Ausgrenzung auf. Sie sagen: Dieser Anschlag ist ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit und auf „demokratischen Werte. Und ihr Nachfolger, liebe Annegrethe Stoltenberg, ein Redner dort, sagt:
 "Wir wollen daran erinnern, dass Religionen niemals dazu da sind, Rechthaberei zu legitimieren oder im Namen Gottes unsere Allmachtsfantasien auszuleben" Und er fügt hinzu:. "Der Mensch ist eben gerade nicht das alleinige Maß aller Dinge“.
Welches Maß aber dann?
Unsere Akademiejahreseröffnung 2015 fällt mit diesem Ereignis zusammen. Wir wollten von unserer Arbeit im vergangenen Jahr und in diesem Jahr erzählen.
Wir wollten davon berichten, wie wir mit vielen, die hier sitzen,  uns gekümmert haben um  Lebenswege und um die Wahrung gelebter Konkretheit.
Wir  wollten erzählen, wie wir ausgerechnet in den „heiligen Stadtteilen“ von Hamburg, nämlich  St.Georg und St.Pauli auf die Tatsache gestoßen sind, das besonders sie die höchste Verbrechensratehaben.
Wir wollten von unserem Staunen berichten, als wir merkten, dass das Wort heilig (lateinisch „Sacer“) sowohl heilig wie verbrecherisch bedeuten kann. Beide haben etwas mit Ausgesondertheit zu tun, fanden wir heraus.
Wir wollten dokumentieren, wie wir uns zwischenzeitlich mehrere Tage im Jahr hintereinander zurückgezogen haben, auf Pellworm und Sylt,  um eben unser eigens Handeln - in seiner geheimen Dialogik von Widerfahrenem und Gewolltem, von Schicksal und Handlung, von Anrede und Antwort- zu bedenken und zu verstehen.
ES stimmt ja: wir wollen –um jetzt  konkret zu werden – uns Pressefreiheit und Meinungsfreiheit nicht wegschießen lassen. Wie denn auch? Aber ist das alles, was wir im Hinblick auf unser eigenes Handeln und darum auch unser Mitanrichten zu sagen oder zu fragen wissen?
Dieser Tage fand ich eine Notiz,  vor Zeiten  aufgeschrieben vom Schriftsteller Botho Strauss.: „Blasphemie…ist..ein Vorzeichen von Unmenschlichkeit. „ schreibt er und fährt fort: „Achtung vor Menschen setzt eine Erfahrung von Ehrfurcht voraus, die man nicht allein im Angesicht des Menschen gewinnt“(Allein mit allen. Frankfurt am Main 2014. Seite 140)Er meint, wir würden das Ehrfurchtgebietende und mit Demut Wahrzunehmende, zu sehr verspotten, ironisieren oder verlachen oder karikieren. Uns sei nichts heilig. Und wem nichts heilig ist, der ist ein bekanntlich ein unzuverlässiger Mensch, wie auch unsere Umgangssprache weiß.
Wir haben es in diesen Tagen überall gesehen: „Je suis Charlie“ „Mit dieser Formel haben die Gutwilligen und Demokraten gezeigt, dass Ihnen Meinungs-und Pressefreiheit angesichts von Terror über alles gehe und dass sie sich verbunden fühlen mit denen, die dort erschossen worden sind(also eine symbolische Geste), - mit den jüdischen Mitmenschen übrigens auch, die ja nicht „Charlie“ gewesen sind.
Ich  selber bin eben auch  nicht „Charlie“.
Und das hat mit der eben erwähnten Notiz zu tun. Botho Strauss zu tun, die nach erster Betroffenheit uns selber  fragt: Haben wir in unserer postsäkularen ambivalenten  Kultur diese Erfahrung, die „man nicht allein aus dem Angesicht von Menschen gewinnt“, vielleicht zu sehr übersehen? Vergessen? Verdrängt? Verspottet? Ironisiert? Überflüssig zu sagen, dass  diejenigen, die das menschliche Antlitz zerstören, selber blasphemisch handeln.. Das ist erst recht Blasphemie.
Was also ist dies Etwas, das man nicht im Angesicht des Menschen gewinnt?
Uns fielen  bei unserem letzten Abend „Lebenswerte“ hier im Raum denn auch  zwei Haltungen ein, die uns und unserer Gesellschaft vielleicht fehlen: Ehrfurcht oder wem das zu viel Ehre und Furcht ist, Demut(um den Mut zu betonen).Uns fehlt die ebenso liebende wie verehrungsvolle wie scheue Hinwendung  zum Verehrungswürdigen in seiner Fremdheit und Andersheit, dem man eben  nicht mit plumper Vertraulichkeit“  oder gar  Aggression beikommt.
 Diese Ehrfurcht- nicht die Furcht -, könnte man sagen, wäre der Weisheit Anfang. Warum nicht sprechen von der Ehrfurcht vor Gott, der Ehrfurcht vor der Schöpfung, der Ehrfurcht vor dem Leben? Eine Formel übrigens, die auf Albert Schweizer zurückgeht: Ehrfurcht vor dem Leben, gefunden bereits vor hundert Jahren, eben 1914, just als die europäischen Völker ihre barbarischen Kriege meinten aufführen zu müssen.
Warum nicht aufnehmen wieder für diese Stunde, für unser Leben, für das Akademieprogramm?

geb. 1950, ist seit sieben war bis vor kurzem  Landespastorin
und Vorstandsvorsitzende der Diakonie in Hamburg. In dieser Funktion setzt sie sich für benachteiligte und hilfebedurftige Menschen ein. Sie ist u.a. Herausgeberin der Obdachlosen-Zeitschrift Hinz & Kunz.
Annegrethe Stoltenberg trat mit 18 Jahren aus der Kirche aus. Mit 29 Jahren reiste sie durch Asien und lernte andere Religionen kennen. Ihre Erfahrungen ließen in ihr den Entschluss aufkommen, sich ihrer Herkunftsreligion erneut zuzuwenden. Sie trat wieder in die Kirche ein und studierte evangelische Theologie. Schließlich wurde
sie Pastorin und arbeitete zunächst am Hamburger Michel, dann war sie im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Bildungsarbeit verantwortlich Ihr Impuls heute Abend:

Es ist noch Platz in der Herberge. Eine Frage der Haltung

 


Tageslosung für 21.01.18
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